„Der Körper braucht Flexibilität“

Ein Industriedesigner im Interview: Worauf es bei der Gestaltung von Hilfsmitteln ankommt
Andreas Mühlenberend ist Industriedesigner und arbeitet u. a. mit Otto Bock an der Entwicklung neuer Medizinprodukte. Uns erzählt er, was die Bandage „Lumbo TriStep“ so besonders macht.

Donnerstag, 14. Juli 2016
Lumbo TriStep Rückenbandage
© InGestalt

Redaktion: Was interessiert Sie als Designer an Medizinprodukten?

Andreas Mühlenberend: Ich finde den menschlichen Körper faszinierend und möchte wissen, wie er funktioniert. Dazu kommt eine persönliche Geschichte. Mit 15 Jahren sind mir alle Haare ausgefallen. Damals erfuhr ich, wie es ist, wenn man anders ist und wenn fremde Menschen einen auf der Straße anstarren.

Keine angenehme Erfahrung.

Eine Glatze ist eigentlich nur ein kosmetisches Problem. Trotzdem musste ich lernen, zu ihr zu stehen. Diese Erfahrung habe ich für mich genutzt und weitergegeben. Hilfsmittel wie Orthesen und Prothesen sollten einen Menschen daher nicht nur funktional versorgen, sondern ihm auch seelisch Zuversicht geben und Mut machen.

Wie kann das funktionieren?

Nehmen wir zum Beispiel die Prothesen der Orthopädietechnikerin und Künstlerin Sophie de Oliveira Barata. Die Londonerin bezieht ihren Klienten in den Gestaltungsprozess ein und überlegt mit ihm gemeinsam, wie die Prothese am Ende aussehen soll. Was dabei rauskommt, sind echte Kunstwerke, die der Persönlichkeit des Betroffenen entsprechen. Das schafft Selbstvertrauen.

(...)

Lesen Sie weiter im Ihre Gesundheitsprofis MAGAZIN

Weitere Meldungen

  • „Ich war das erste Mal stolz, ein Korsett zu tragen“

    Montag, 23.01.2017
    Lysanne Pietruschinski hat Skoliose, eine starke seitliche Verkrümmung und Verdrehung der Wirbelsäule. Im Rahmen ihres Schulpraktikums hat die 16-Jährige in einer Orthopädiewerkstatt an ihrem eigenen Korsett mitgebaut. Uns erzählt sie, wie das war und wieso sie seitdem das Korsett besser akzeptieren kann.
    Mehr lesen
  • 60 Quadratmeter Grundversorgung und ein Auto

    Freitag, 02.12.2016
    Bevölkerungsrückgang und Überalterung treffen ländliche Regionen besonders hart. Immer weniger Ärzte wollen hier praktizieren, aber auch andere Bereiche der Gesundheitsversorgung stehen unter Druck – etwa die Sanitätsfachgeschäfte. Ein Besuch in Anklam, unweit der polnischen Grenze.
    Mehr lesen